Blogtagebuch #1 – Ärzte sind keine Menschen

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Es ist ein verregneter Nachmittag. In meinem Kuschelpullover betrete ich einen kühlen, weißen Raum voller Sorgen, Bakterien & kranken Menschen. Ich setze mich auf den letzten freien Stuhl, während die Patienten, die nach mir hereinkamen sich um einen Stehplatz im Gang bemühen. Die anderen simsen, schlafen oder fluchen über die lange Wartezeit. Die Wände sind leer und ich versinke langsam in meine Gedanken. Immer wieder werden Patienten vom Arzt hereingebeten. Eine Stunde später sitze ich immer noch hier. Geändert hat sich nichts. Nur die Gesichter der aufgebrachten Patienten die darauf warten endlich dran zu kommen. Dann endlich mein Name. „So, was kann ich für Sie tun?“ Mal wieder klage ich über fiese Rückenschmerzen. Die Arbeit in der Pflege ist nicht nur viel zu schlecht bezahlt sondern auch einfach hart. Der Arzt betrachtet mich von oben bis unten. „Treiben Sie Sport?“ Nein…
„Oh, das sollten Sie unbedingt tun! Raus gehen, sich bewegen, ins Fitnessstudio gehen.“
Wenn ich Zeit finde und die richtige Motivation finde, werde ich sicher einmal wieder Sport treiben. Aber was ist nun mit meinem Rücken? Mit gerötetem Kopf zeige ich auf die Schmerzstelle und warte auf eine ‚Untersuchung‘. „Also wissen Sie was: Ich schreibe Sie eine Woche krank, in der Zeit versuchen Sie bitte so viel Sport wie möglich zu treiben und sich zu bewegen.“
Der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben. Auf den eigentlichen Grund meiner Schmerzen wird nicht eingegangen. Stattdessen wird nur auf meinem Gewicht rumgehackt. Als ich dem Arzt sagte das ich mich wohlfühle so wie ich bin entgegnete er mir mit: „Dann kann ich erst Recht nichts für Sie tun.“ Der Schock sitzt immer noch tief. Ich fühle mich total missverstanden und nicht akzeptiert in der Gesellschaft. Das nächste mal wenn ich mir den Arm breche liegt das dann auch an meinem Gewicht?

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